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SCHREIBEN!

100 Seiten einer Leidenschaft

Folge 14: Genderdeutsch

Bild: S. Hofschlaeger_pixelio.deBild: S. Hofschlaeger_pixelio.de Alle Menschen werden Brüder ... Auch die Schwestern?

 

Herrschaften, erst die Rechtschreibreform, und jetzt soll man sich als Autor auch noch auf die Genderei einlassen? In modernem Genderdeutsch liest sich dieser Satz so: Herr- und Damenschaften, erst die Rechtschreibreform, und jetzt soll man/frau sich als Autor/Autorin auch noch auf die Genderei einlassen? Es war einmal eine wunderschöne Sprache, die Sprache der Dichter und Denker, bis die Gender-Zauberer*innen kamen und all die klaren, kraftvollen Worte in ein unübersichtliches Gewirr aus Sternchen, Klammern und Bindestrichen verwandelten. Wird irgendein Kundenservice besser, wenn er sich in einen Kund(inn)enservice verwandelt? Sollte eine Fußballmannschaft der Damen in Zukunft Fußballfrauschaft heißen? Muss ich meine Patientenverfügung künftig „Patient*inn*enverfügung“ betiteln? Und was ist mit den Familiennamen: Frau Karrenbauer, Frau Herrmann – fühlen Sie sich nicht diskriminiert von so viel Männlichkeit in Ihren Namen?  

Es ist ein Fass ohne Boden. Denn natürlich ist unsere Sprache von den Rollenbildern und Denkmustern unserer Vorfahren geprägt. Und ebenso natürlich muss sie sich veränderten Rollenbildern und Denkmustern anpassen. So wurden negativ konnotierte Bezeichnungen wie „Weib“, „Neger“ oder „Zigeuner“ im Laufe der letzten Jahrzehnte zunehmend durch wertneutrale ersetzt. Gut so! Überhaupt, dass das Bewusstsein dafür wächst, wie viel Macht der Sprache zukommt. Aber muss frau wirklich vor Gericht ziehen, wenn eine Sparkasse ihre Kundschaft mit „Lieber Kunde“ anschreibt? Ist das Diskriminierung seitens der Sparkasse oder einfach das Bemühen, geschäftliche Briefe nicht unnötig aufzublähen und damit in ihrer Lesbarkeit einzuschränken? Sprachentwicklungen folgen eigenen Gesetzen, und das wichtigste Gesetz lautet Sprachökonomie. Sprache oder besser gesagt ihre Sprecher – und Schreiber! – folgen dem Prinzip, es sich möglichst einfach zu machen. Deshalb sind im Laufe der Jahrhunderte viele grammatikalische Endungen weggefallen, haben sich schwache gegen starke Beugungen durchgesetzt, hatten Abkürzungen, Kürzel und Emoticons so durchschlagenden Erfolg. Wenn aber jeder Erwähnung einer männlichen Form konsequent die weibliche Entsprechung zur Seite gestellt werden soll - einschließlich Pronomen, Adjektivbeugungen und den zusammengesetzten Nomen (Meister*innen*schaft) -, dann läuft das dem Gesetz der Sprachökonomie entgegen. Natürlich macht man sich als Autor dazu seine Gedanken. Von einer Bonner Schriftstellerin soll die Idee stammen, immer dann, wenn männliche und weibliche Personen gemeint sind, die Endung –i anzuhängen. Liebe Schreiberi, könnt ihr euch damit anfreunden, wenn statt der Einwohnerzahl eines Landes künftig von der Einwohnerizahl die Rede wäre, in der Schule unterrichteten die Lehreri, und der Kundenservice hieße Kundiservice? Für mich klingt das eher nach einer unnatürlichen Akademisierung der Sprache. Bei den Professori mag es ja noch angehen, aber die Menschi? Klingt wie Kikeriki. Warum soll der Mensch nicht weiterhin Oberbegriff für männliche und weibliche Formen bleiben, ebenso wie der Kunde – wobei der im Sinne des grammatischen, nicht des natürlichen Geschlechts zu verstehen ist? Mag sein, dass hier die Gewohnheit eine Rolle spielt. Und warum auch nicht? Sprache ist auch ein Stück Heimat, Identität, Vertrautheit, und da wehrt sich etwas in mir gegen die Klugscheißeri, die meinen, ihre Vorstellung von „Gender-Gerechtigkeit“ mit aller Gewalt durchsetzen zu müssen. Man kann es auch übertreiben mit der Genderkonsequenz, bis hin zur Lächerlichkeit. Kein Wunder, dass sich Comedians dieses Themas NUHR zu gerne annehmen! Ich nehme mir jedenfalls die Freiheit, überall da, wo es der Einfachheit und besseren Lesbarkeit dient, weiterhin die männliche Form als Oberbegriff zu verwenden. Ich darf das. Ich bin ja eine Frau.