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Seltsam, im Nebel zu wandern ... (Hermann Hesse). Foto: Winfried SixelSeltsam, im Nebel zu wandern ... (Hermann Hesse). Foto: Winfried Sixel

Es ist ein Wort mit neun Buchstaben, aber selbst wenn man alle Buchstaben des Alphabets zusammennimmt, sind es immer noch zu wenig.

Es ist schon sehr alt, etwa 5000 Jahre, vielleicht mehr. Und es ist noch ganz jung, es ist noch gar nicht geboren, in diesem Moment erst wird es gezeugt, hier und andernorts.

Es ist kein Gegenstand, aber was bisweilen dabei herauskommt, liegt und steht in jedem Haushalt herum, als Staubfänger, zum täglichen Gebrauch, als Zierde oder Deko, als Schlaf- oder Aufputschmittel.

Es hat mit Krankheit zu tun, mit Wahnsinn, Droge, Sucht und Rausch, mit Mord und großen Gefühlen, mit selbstgewähltem Unglück, Gott und Teufel. Und es hat mit Vernunft zu tun, Denken, Aufklärung, Emanzipation und Nüchternheit.

Es ist Märchen, Lüge und verborgene Wahrheit, tausendfach verbreitetes Geheimnis, voller Geilheit und Tabubruch. Die Macht bedient sich seiner, der Größenwahn und die Eitelkeit, aber es ist auch eine Waffe der Ohnmächtigen und Schauplatz unermüdlichen Ringens der Suchenden. Es ist subjektiv, aber wenn es gut ist, hat es universale Gültigkeit. Es ist Heimat und Fremde, es dehnt sich aus wie das Universum und gelangt doch selten über eine Fläche von 21 x 29,7 cm hinaus.

Es bringt Menschen zusammen und auseinander, zettelt Revolutionen, Reformationen und Kriege an, begründet Kultur und friedliches Miteinander. Es hat einige Gemeinsamkeiten mit dem Zooleben, mit Kamelen und Affen und bunten plappernden Papageien.

Für manchen ist es ein Traum, für andere wird es zum Alptraum, viele sind daran zugrunde gegangen, andere erst zum Leben erwacht.

Es kann Armut bedeuten und klingende Kassen, Masse und unendliche Einsamkeit, Lust und klösterliche Abgeschiedenheit.

Es bewegt sich oft am Abgrund und es hat immer ein Ende, auch wenn dieses bisweilen abrupt kommt.

Es ist ein Rätsel, und das wird es auch bleiben - das Schreiben.