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"... dass das harte Wasser in Bewegung mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. Du verstehst: Das Harte unterliegt." (Bertolt Brecht).
 Foto: Winfried Sixel"... dass das harte Wasser in Bewegung mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. Du verstehst: Das Harte unterliegt." (Bertolt Brecht). Foto: Winfried Sixel

Nicht alle Menschen schreiben. Bei geschätzten 750 Millionen Analphabeten auf der Welt kann ungefähr jeder zehnte Weltbürger gar nicht schreiben. Aber neun von zehn haben es in der Schule gelernt, und viele können sich ein Leben ohne Schreiben gar nicht mehr vorstellen. Wir schreiben Einkaufszettel, Bewerbungen, Bestellungen, senden kurze oder lange Nachrichten in die digitale Welt, verfassen Artikel und Sachbücher, teilen Gedichte und Romane mit einer mehr oder weniger großen Leserschaft.

Der Buchmarkt ist rückläufig, wie es auf Marketingdeutsch heißt. Das Lesen auch. Aber es mangelt nicht an neuen Titeln. Weit über 80.000 im Jahr allein in Deutschland. Auch die Legende vom armen Poeten, der über Nacht zum Bestsellerautor wurde, erlebt immer neue Auflagen. Im richtigen Leben bleibt sie ein äußerst seltenes Ereignis, ungefähr so wahrscheinlich wie der berühmte Sechser im Lotto. Vom Schreiben allein können in Deutschland etwa ein- bis zweihundert Autoren leben – wobei „können“ ein relativer Begriff ist. Findige Köpfe haben ausgerechnet, dass Autoren und mehr noch Autorinnen (Frauen verdienen auch hier deutlich weniger als ihre männliche Kollegen) selbst im unwahrscheinlichen Falle eines Bestsellers im Durchschnitt netto nicht einmal auf 1000 Euro im Monat kommen. Und wer schreibt schon am laufenden Band Bestseller?

„In finanzieller Hinsicht“, so die Schriftstellerin Eva Demski, „ist das Schreiben ein so unbeschreiblich demütigender Beruf, dass die meisten Kollegen um ihr Einkommen ein großes Theater machen müssen. Es ist so ein verlogenes Thema, es wird Ihnen keiner die Wahrheit sagen.“