Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Wer bin ich - und wenn ja,  warum?

Meine Geburt fand an einem sonnigen Herbsttag statt, kurz nachdem der erste Sputnik ins All geschossen wurde. Das bekam ich später so oft zu hören, dass sich in meinem Kopf ein innerer Dreiklang daraus formte: der Sputnik, der Herbst und ich. Der erste Satellit, mit gewaltiger Schubkraft von der Erde fortbewegt. Leuchtende Herbstblätter, die sanft zur Erde niedersegeln. Dazwischen ich im Spannungsspiel der Kräfte.

Das Jahr meiner Geburt war für die Region, der ich entstamme, ein Jahr der historischen Wende. Nach wechselvoller Geschichte erlebte das Saarland seine politische Angliederung an die noch junge Bundesrepublik. So kam es, dass ich Deutsche wurde und nicht Französin oder irgendetwas dazwischen.  

Der Ort, an dem ich aufwuchs, Schule und Tanzschule besuchte, singen und Klavier spielen lernte, erste Freundschaften erlebte und meine erste Begegnung mit dem Auto, die beinahe meine letzte geworden wäre (daher wohl meine besondere Beziehung zu Schutzengeln) - die Hüttenstadt Völklingen an der industriegrauen Saar birgt heute eine Sehenswürdigkeit, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Doch davon war in meiner Kindheit und Jugend nichts zu ahnen. Die Hütte gab Tausenden von Familien, auch meiner, Brot und Arbeit, aber sie legte auch unermüdlich ihre Grauschleier auf Haut und Alltag.

Mit dem Zeugnis der Reife in der Hand fühlte ich mich reif für einen Ortswechsel. Ich zog ins schöne Saarbrücken und schloss dort eine Ausbildung zur Krankenschwester ab. Was als Vorbereitung fürs Medizinstudium gedacht war, erwies sich als gute Einübung ins Leben - aber Ärztin wollte ich nicht mehr werden. Das hing mit dem System Krankenhaus zusammen, aber auch mit einer enttäuschten Liebe, die Trost in der Musik suchte und fand. Nach einem ermutigenden 1. Preis des VdmK Berlin und bestandener Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule des Saarlandes konnte ich einige unvergessliche Semester lang an der Saar Gesang, Klavier und Orgel studieren - bis eine neue Liebe meinen Weg kreuzte und Anlass zu Heirat und Familiengründung gab. Immer war die Liebe mein größter Antrieb, das ist so geblieben bis heute. Aber sie hat sich verwandelt, umfasst heute auch eine tiefe Liebe zur Sprache, zu guten Gedanken, zur Kultur allgemein, neben der Musik besonders zu Philosophie und Religion. Ich habe dann neben meiner Arbeit als Haus- und Familienfrau ein neues Studium in Mainz und Bonn absolviert und wurde zum Doktor der Philosophie promoviert. Es folgten Jahre, die mit der Arbeit als Deutschlehrerin, Schreibwerkstattleiterin und Lektorin ausgefüllt waren, aber auch mit Bergtouren, kirchlichem Engagement und Sport. Das Schreiben hat mich immer begleitet und mit der Zeit zum nicht wegzudenkenden Teil meines Lebens entwickelt. Schreiben ist Freiheit für mich, und die Stunden, in denen ich in ein literarisches Werk versinke, sind Zeiten zweckfreien Glücks. Das Ich wird frei von den Turbulenzen des Alltags und zum Spiegel der Welt, wie ein Bergsee, in dem sich Wolken und Vogel, Berg und Mensch erkennen und der bisweilen auch tief auf den eigenen Grund blicken lässt.